Tradovate läuft im Browser, auf Mac und mobil, ohne Installation. Rithmic ist eine Ausführungsschicht für Windows und verlangt ein eigenes Front-End. Aus dem DACH-Raum entscheiden drei Punkte: Ihr Betriebssystem, ob Sie um einzelne Ticks handeln, und ob Ihnen 22:15 oder 22:45 Uhr besser passt.
Zwei Dinge, die nicht dasselbe sind
Der häufigste Denkfehler: Rithmic und Tradovate als zwei Varianten derselben Sache zu betrachten. Das sind sie nicht.
Rithmic ist eine Infrastrukturschicht für Ausführung und Marktdaten, deren Server in Aurora bei Chicago in unmittelbarer Nähe der CME-Rechenzentren stehen. Rithmic hat keine Handelsoberfläche. Sie erhalten Zugangsdaten und verbinden damit ein Programm Ihrer Wahl: NinjaTrader, Quantower, ATAS, Sierra Chart, Bookmap oder R | Trader Pro. Die Oberfläche wählen Sie, die Ausführung liefert Rithmic.
Tradovate ist ein regulierter FCM aus der NinjaTrader-Gruppe mit eigener Cloud-Plattform. Ein Konto, eine Oberfläche, Marktdaten inklusive. Läuft im Browser, als Desktop-Programm, auf iOS und Android, und lässt sich mit TradingView verbinden.
Daraus folgt der ganze Rest: Rithmic gibt Ihnen Auswahl und verlangt Einrichtung, Tradovate gibt Ihnen Einrichtung und verlangt Verzicht auf Auswahl.
Der Normalfall: im Browser handeln, ohne Installation
Für die meisten Leser endet die Frage hier. Tradovate läuft im Browser: Sie melden sich an und sehen Charts, Orderticket und Positionen. Nichts zu installieren, keine Lizenz, kein zweites Betriebssystem. Marktdaten sind im Konto enthalten, Sie bestellen sie nicht getrennt.
Das gilt auf jedem Gerät. Ein MacBook genügt, ein Windows-Notebook ebenso, und dieselbe Anmeldung öffnet die App auf iPhone oder Android. Wer lieber in gewohnter Umgebung arbeitet, verbindet TradingView mit dem Konto und schickt Orders von dort.
Diese Einfachheit kostet etwas: Der flat time liegt 30 Minuten später, bei hochwirksamen Nachrichten kann die Ausführung träger werden, und es gilt eine Grenze von 5.000 Aktionen je 60 Minuten. Für zwei bis fünf Trades am Abend spielt keiner der drei Punkte eine Rolle. Für einen Scalper, der im Orderbuch ständig nachzieht, sehr wohl.
Wann sich der Weg über Rithmic lohnt
Rithmic liefert Ihnen die Wahl der Oberfläche und die Nähe zu den Börsenservern. Auf einem Windows-Rechner ist das eine Installation und ein Login, mehr nicht. Nur auf einem Mac kostet der Weg dorthin etwas.
Auf einem Mac bleiben drei Möglichkeiten. Eine virtuelle Maschine mit Windows: funktioniert, kostet Lizenz und Arbeitsspeicher, und auf Apple-Silicon-Geräten laufen nicht alle Programme sauber. Eine Windows-Partition: unbequem, weil Sie für jede Sitzung neu starten. Ein Windows-VPS: sauberste Lösung, kostet aber jeden Monat Geld und muss betreut werden.
Rechnen Sie ehrlich. Ein brauchbarer Handels-VPS liegt im zweistelligen Dollarbereich pro Monat. Gegen den Preis einer Cycle 100K von 272 $ ist das keine Nebensache, sondern ein laufender Posten, der Ihre Gewinnschwelle verschiebt.
Latenz über den Atlantik, nüchtern betrachtet
Die Börsenserver stehen in Illinois. Ihre Order aus Frankfurt, Wien oder Zürich legt diesen Weg physisch zurück, hin und zurück. Das ist keine Schwäche eines Anbieters, sondern Geografie.
Seriös lässt sich nur die Größenordnung benennen: Ein Weg über den Atlantik dauert ein Vielfaches dessen, was innerhalb Chicagos anfällt. Konkrete Millisekundenangaben hängen von Ihrem Anschluss, Ihrem Anbieter und der Route ab und gelten nicht allgemein.
Wichtiger ist die Frage, für wen das zählt.
Es zählt, wenn Sie um einzelne Ticks handeln, mit Limit-Orders um die Position in der Warteschlange kämpfen, Orderbuchveränderungen in Sekundenbruchteilen nachziehen oder mehrere Konten gleichzeitig bedienen. Hier ist Rithmic mit seiner Nähe zu den Börsenservern die passendere Wahl, idealerweise zusammen mit einem VPS.
Es zählt kaum, wenn Ihr Stop zehn Punkte weit ist, Ihre Haltedauer in Minuten oder Stunden gemessen wird und Sie zwei bis fünf Positionen am Tag eröffnen. Bei einer Cycle 100K mit 6 erlaubten Minis und einem Max Loss Limit von 3.000 $ kommt Ihr Ergebnis aus der Positionsgröße und dem Ausstieg, nicht aus der Übertragungszeit.
Ein zweiter Punkt betrifft hochwirksame Nachrichten. Bei Tradovate ist in solchen Momenten mit erhöhter Latenz zu rechnen, und es gilt eine Begrenzung auf 5.000 Aktionen je 60 Minuten. Für Handhandel ist diese Grenze weit entfernt. Für Automatisierung mit vielen Orderänderungen pro Minute ist sie eine reale Schranke. Was dabei sonst erlaubt ist, steht unter Bots und Algos und News-Trading.
Ein VPS ist die Ausnahme, nicht die Regel
Ein VPS wird erst zum Thema, wenn Sie Rithmic auf einem Mac betreiben, mehrere Konten gleichzeitig führen oder automatisiert handeln. Dann gilt eine Regel, die beim ersten Hören falsch klingt: Der Server gehört in die Region Chicago, nicht nach Frankfurt.
Ohne VPS läuft die gesamte Strecke von Ihrem Rechner über den Atlantik zur Börse. Mit einem VPS in Chicago wird sie geteilt: Zwischen Server und Börse liegt eine sehr kurze Strecke, über den Atlantik läuft nur noch Ihre Fernwartungsverbindung mit Bildschirminhalten und Tastatureingaben. Hakt diese kurz, ruckelt das Bild — der Server handelt weiter. Ein VPS in Frankfurt verkürzt dagegen die ohnehin kurze Strecke und lässt die lange unverändert.
Unabhängig von Millisekunden zählt die Ausfallsicherheit: Der Server läuft weiter, wenn Ihr Internet ausfällt oder Ihr Rechner ein Update erzwingt. Bei einem Daily Loss Limit von 1.800 $ ist eine offene Position ohne Verbindung das teuerste denkbare Szenario. Wer abends manuell zwei Trades macht, braucht das nicht.
22:15 oder 22:45 Uhr: der Unterschied im Alltag
Der flat time ist der Zeitpunkt, zu dem offene Positionen automatisch geschlossen werden. Bei Rithmic liegt er um 16:15 Uhr New Yorker Zeit, bei Tradovate um 16:45 Uhr. Das sind in der mitteleuropäischen Winterzeit 22:15 Uhr und 22:45 Uhr.
Dreißig Minuten klingen nach wenig. Für den DACH-Raum liegen sie genau an der falschen Stelle, nämlich spät am Abend.
Wer erst nach dem Abendessen anfängt, hat bei Rithmic ein knappes Zeitfenster. Wer bis zum Schluss der regulären Aktienhandelszeit begleiten will, für den ist die Differenz der Unterschied zwischen hetzen und ausklingen lassen. Wer ohnehin am frühen Abend handelt und um 21 Uhr fertig ist, für den ist sie bedeutungslos.
Beachten Sie die Zeitumstellung. Die USA und Europa schalten an unterschiedlichen Terminen um, weshalb sich der Abstand zweimal im Jahr für einige Wochen verschiebt. Die Mechanik ist auf der Seite zum flat time beschrieben, die vollständigen Zeiten im Artikel zu den US-Futures-Handelszeiten in deutscher Zeit.
Welche Wahl zu welchem Profil passt
| Ihre Situation | Passende Wahl |
|---|---|
| Mac oder iPad, kein Windows | Tradovate |
| Erstes finanziertes Konto, wenig Technikaufwand gewünscht | Tradovate |
| Sie arbeiten bereits mit TradingView | Tradovate |
| Skalping um einzelne Ticks, Orderbuch-Handel | Rithmic |
| Mehrere Konten parallel | Rithmic |
| Automatisierte Strategien mit hoher Orderfrequenz | Rithmic |
| Windows-Rechner vorhanden, VPS geplant | Rithmic |
| Handel bis zum späten Abend | Tradovate, wegen der 30 Minuten |
Es gibt keinen allgemeinen Sieger. Beide Wege führen zu denselben Kontoparametern: Das Gewinnziel einer Cycle 100K liegt bei 6.000 $, das Max Loss Limit bei 3.000 $, unabhängig von der Plattform. Die Plattform ändert Ihren Arbeitsalltag, nicht das Regelwerk. Die Parameter aller Familien stehen im Kontenvergleich und auf der Preisübersicht.
Eine praktische Reihenfolge
Testen Sie zuerst die Oberfläche, dann kaufen Sie. Tradovate lässt sich in wenigen Minuten im Browser ansehen. Die Front-Ends für Rithmic bieten Demoversionen an, mit denen Sie prüfen, ob Ihnen die Bedienung liegt.
Entscheiden Sie erst danach über einen VPS. Er ergibt Sinn, wenn Sie ohnehin Windows brauchen, mehrere Konten führen oder automatisiert handeln. Für zwei manuelle Trades am Abend ist er meist verfrüht.
Die Plattform wird pro Konto gewählt. Wenn Sie unsicher sind, beginnen Sie mit der einfacheren Variante, sammeln Sie Erfahrung und entscheiden Sie beim nächsten Konto mit besserer Grundlage. Ein Neustart nach einem Regelverstoß kostet bei einer Cycle 100K 190 $ — Zeit für eine überlegte Wahl ist billiger.
Evaluierungs- und finanzierte Konten sind bis zur Live-Stufe simuliert. Der Handel mit Futures birgt ein erhebliches Verlustrisiko, und nichts hier ist eine Aussage über erzielbare Ergebnisse. Der vollständige Ablauf steht unter so funktioniert es.
Quellen
- CME Group, Handelszeiten der Globex-Plattform: die Sitzungszeiten und die tägliche Wartungspause, an denen sich die Angaben zum flat time orientieren.
- CME Group, Kontraktspezifikationen des E-mini S&P 500: Tick-Größe und Kontraktwert als Grundlage der Aussagen zum Skalping um einzelne Ticks.
- National Futures Association, Verzeichnis der registrierten Marktteilnehmer: Nachweis des Registrierungsstatus von Futures Commission Merchants wie Tradovate.
- CFTC, Hinweise für Anleger zu Terminmärkten: Hebelwirkung und Verlustrisiko im Futures-Handel.
Simulierte Konten bis Live. Der Handel mit Futures birgt ein erhebliches Verlustrisiko.